Montag, 30. September 2013

Graustufen {Colour me happy!}

Ich bin spät dran, wie so oft, aber was soll's. Nachdem ich ja erst neulich zu Beauty is where you find it... zurückgefunden hatte, kommt hier nun die nächste Stufe meines persönlichen Blog-Fotoaktions-Revivals in Form meines Beitrags zum September-Thema der Müller-Hoppenstedt'schen Fotoaktion "Colour me happy!", das da lautet: lazy grey

Der erhoffte reißende Strom an spontanen Assoziationen zu lazy blieb leider aus, aber bei grau ist das anders. Denke ich an grau, denke ich nämlich unweigerlich auch an meine Kunstlehrerin. Im Laufe der Schulzeit hatte ich davon zwar mehr als nur eine (übrigens alles Frauen, denn männliche Lehrer in diesem Fach scheinen - zumindest in der Schule - eine solche Rarität zu sein, dass ich tatsächlich in meinem Leben noch keinen lebendig und wahrhaftig zu Gesicht bekommen habe. Eigentlich interessant.), aber diese eine hatte eben ein besonderes Faible für alles zwischen schwarz und weiß. Zahlreiche und in der Mehrheit unvollendete Werke aus dem Kunstunterricht, die mir kürzlich beim Aufräumen aus einer Schublade meines Schreibtischs entgegen kamen, belegen das recht eindeutig. Egal, welche Technik gefragt war, auf die Vorgabe "Graustufen" konnte man sich eigentlich so gut wie verlassen. Als dementsprechend graue, spaßlose Plörre habe ich den Kunstunterricht dieser Jahr auch in Erinnerung.

Dazu kam, dass wir immer viel zu viele waren, um wirklich interessante Sachen ausprobieren zu können. So kamen wir zum Beispiel nie dazu, das "Fotolabor", über das die Schule theoretisch verfügt hätte, auszutesten. Was mir da entgangen ist, habe ich erst in diesem Frühjahr gemerkt, als ich im Rahmen einer FSJ-Kultur-Seminarfahrt den Workshop "Analoge Schwarz-Weiß-Fotografie" belegt hatte. Womit wir wieder bei lazy grey angelangt wären, denn Schwarz-Weiß-Bilder haben ja nun mal den Vorteil, dass sie eben von Natur aus alles grau machen. Die lazy Variante also. :)

Ein brandenburgisches Feld, nahe Werneuchen.
Das Ganze hat, fand ich jedenfalls, was Meditatives: Wenn man da so in der Dunkelkammer sitzt, in diesem kleinen schwarzen Loch, für ein paar Stunden abgeschieden von der Welt und in so gut wie völliger Stille - abgesehen vom Piepen der Uhr beim Einstellen der Belichtungszeit und dem sanfte Geplätscher, wenn man das werdende Bild in den unterschiedlichen Behältnissen baden lässt. Überhaupt finde ich das ja unglaublich faszinierend: Zugucken können, wie das Bild langsam sichtbar wird.

Den Entwicklungsprozess hatte ich mir im Vorfeld um Welten schwieriger ausgemalt. Tatsächlich stellte es sich bei der ganzen Angelegenheit als größte Herausforderung heraus, überhaupt erst einmal Motive zu finden. Ein klassischer Fall von Wer sucht, der findet nicht. So hab ich schließlich - verzweifelt, weil mir die Zeit davon lief - einfach drauflos geknipst. Was halt da war. Und einem plötzlichen Belichtungsmesser-Streik ist es zu verdanken, dass schon mal zwischen einem Drittel und einer Hälfte der Bilder ohnehin unbrauchbar waren. Kam mir eigentlich ganz entgegen, denn so fiel die Entscheidung, welche auf Papier durfte, wenigstens ein kleines bisschen leichter.


Übrigens hatte dieser Workshop noch einen Nebeneffekt, das digitale Fotografieren betreffend. Zu erleben, wie viel Einfluss auf das Erscheinungsbild des Endprodukts, sprich: den fertigen Abzug, man auch beim analog erzeugten Foto im Nachhinein noch nehmen kann - durch Filter, die Wahl des Ausschnitts etc. - hat meine Einstellung gegenüber digitaler Bildbearbeitung* doch merklich verändert. Nicht dass ich das vorher gänzlich verdammt oder die mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten selbst nicht auch genutzt hätte. Das keineswegs. Bloß hab ich mich vorher doch immer ein bisschen schuldig dabei gefühlt - als würde ich schummeln, wenn ich nachträglich Kontraste oder Helligkeit anpasse oder die Farben etwas korrigiere. Als würde dadurch das "wahre" Bild verfälscht.

Während ich in dieser Dunkelkammer saß, habe ich allerdings zum ersten Mal ernsthaft darüber nachgedacht, was dieses angeblich "wahre" Bild - diese merkwürdige Vorstellung in meinem Kopf - denn eigentlich ist. Ist es das, was die Kamera sieht? Das, was meine Augen sehen? Aber sehen meine Augen nicht unter Umständen etwas ganz anderes, als die Augen eines anderen? Und dann ist ja auch nicht immer alles so, wie es aussieht...

Ich habe für mich daraus dann den Schluss gezogen, dass das eine Bild nicht existiert, ebenso wie es nicht die eine Wahrheit gibt, sondern nur unzählige Möglichkeiten einer solchen. Und festgestellt, dass mir gerade das die Freiheit gibt, alle diese Möglichkeiten auszutesten und mir dabei neue, ganz eigene Wahrheiten zu erschaffen kann. Warum also nicht?

Doppelbelichtung: Gespiegelte Zweige.
Oder was meint ihr? Irgendwelche Gedanken dazu? Wie steht es um euren persönlichen "Bildbearbeitungs-Kodex"? Habt ihr einen? Ich bin neugierig...

Ansonsten: Mehr lazy grey gibt's hier. Habt eine schöne Woche!






* Damit meine ich jetzt Bildbearbeitung generell, nicht die körper"optimierenden" Retuschen, denn die sind irgendwie doch noch mal ein Kapitel für sich. Aber das ist klar, oder?

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