Samstag, 12. April 2014

12 von 12 {April}

Die "12 von 12" gehören zu meinen liebsten Blogaktionen. Nicht nur, dass ich jedes Mal das Gefühl habe, den Tag viel bewusster zu erleben, weil ich - ständig auf Hut nach Festhaltungswürdigem - einfach viel besser aufpasse, was so um mich herum geschieht.
Es macht mir auch jedes Mal aufs Neue Spaß, im Nachhinein durch diese kleinen Tagesdokumentationen zu stöbern und mich anhand der Bilder und der dazu geschrieben Worte an die jeweiligen Tage zu erinnern. 

Da sehe ich mich dann zum Beispiel plötzlich wieder im Schienenersatzverkehrsbus sitzen, über brandenburgische Dörfer holpernd, heute vor einem Jahr, auf dem Weg nachhause am Ende einer Seminarwoche in der Gedenkstätte Ravensbrück, Kopf und Herz voller widersprüchlicher Eindrücke dieses merkwürdig friedlichen Ortes mit der grausamen Vergangenheit.

Oder ich stehe auf einmal wieder in unserer Küche in Berlin und gieße Tee auf, am frühen Nachmittag noch im Bademantel (wie die Bilder bei genauem Hinsehen sogar verraten :), es sind Osterferien und die Abi-Klausur im Leistungskurs Geschichte steht kurz bevor. Das war vor zwei Jahren.

Mittlerweile kochen andere, fremde Menschen in der Küche, die Teekanne befindet sich in diesem Augenblick mit allerlei anderem Hab und Gut in einem Container, irgendwo auf dem Meer, unterwegs nach Namibia, und das Kleid, das damals einige Wochen später aus dem Stoff wurde, liegt seit Monaten in einem Karton und wartet darauf, einen neuen Reißverschluss eingenäht zu bekommen.

Ich schreibe all das, weil ich eigentlich sagen will: Ich erinnere mich gerne daran, wie das Leben an einem bestimmten Tag ausgesehen hat. Weil mir dabei die Veränderungen bewusst werden, die von einem Tag zum nächsten nicht immer spürbar sind. Mir vor Augen zu halten, dass das, was ich heute als normal und darum irgendwie als selbstverständlich betrachte, in ein paar Wochen, Monaten, Jahren vorbei und ganz anders sein kann und zu nicht geringer Wahrscheinlichkeit auch anders sein wird, hilft mir dabei, mein Leben - so, wie es jetzt gerade ist - ein bisschen mehr zu schätzen, auch wenn es darin viele Dinge gibt, die ich mir anders wünsche.

Deshalb mache ich also, wenngleich meine Bilder-Anzahl nicht ganz das Soll erfüllt, auch in diesem Monat wieder bei den 12 von 12 mit - um damit nach dieser etwas ausufernden Einleitung mal wieder auf das eigentliche Thema dieses Posts zurückzukommen. :)

Und so sah mein Heute aus, mein 12. April 2014:


Beim Frühstück habe ich mir vorlesen lassen. Alleine frühstücken finde ich nämlich das Gewöhnungsbedürftigste, seit ich alleine wohne - diese Stille. Unglaublich, wie sehr eine vertraute Stimme und eine vertraute Welt da helfen. Da gehen die 3€, die ich neulich auf dem Flohmarkt für das Hörbuch bezahlt habe, direkt als Investition ins Seelenheil durch.


Frühstück. Wie gesagt, etwas karg.

Den dritten Band von Harry Potter mochte ich immer am liebsten. Vielleicht auch aus nostalgischen Gründen, denn es war das erst "richtige" (= mehr als 100 Seiten dicke) Buch, das ich mit sieben Jahren von vorne bis hinten komplett selber gelesen habe. Bei einem Mal lesen blieb es (bei weitem) nicht und die CDs liefen später zeitweise in Dauerschleife. Die Geschichte ist mir also, sagen wir mal, einigermaßen vertraut. Weiterhören musste ich dennoch. 

Nebenbei ein bisschen rumgekritzelt. Inspiriert hiervon. Leider kein größeres Papier zur Hand.


Außerdem versucht, die luxemburgischen Bus- und Bahntarife zu verstehen und dabei nicht zum ersten Mal festgestellt, dass ein Wiederauffrischungskurs in Französisch auf meiner Prioritätenliste dringend ein paar Stellen nach oben gerückt gehört. Kaum zu glauben, dass das mal meine erste Fremdsprache war...


Zwischendurch resigniert festgestellt, dass der ichweißnichtwievielte Handy-Kurs mit den augenblicklich an der Nordsee kurenden Großeltern leider (wie immer) gänzlich verschenkte Zeit war.

Nebenbei außerdem ein bisschen gehäkelt, aber davon gibt's keine Fotos.


Nach viel zu viel drinnen verplemperter Zeit irgendwann den Entschluss gefasst, dass ein so schöner Tag nicht gänzlich in geschlossenen Räumen zugebracht werden darf. Dummerweise machte sich die Sonne gerade auf und davon, als ich vor die Tür trat. Statt über Sonnenschein also darüber gefreut, dass ich nun endlich einmal mit Kamera an dem Fliederbusch vorbei kam, der schon seit Anfang der Woche jeden Tag ein bisschen mehr aufblüht.


Da sich Frau Sonne weiterhin bedeckt hielt und die Temperaturen doch nicht mehr ganz heimelig waren, habe ich eine kleine, halb-sporadische Tradition (wenn das nicht ein Widerspruch in sich ist), die ich Anfang des Jahres eher zufällig begonnen hatte und die während der Semesterferien - der Tatsache geschuldet, dass ich kaum hier war - irgendwie eingeschlafen ist, wieder aufgenommen: Samstagskaffee und -kuchen im Cassius Garten. Heute mit Rhabarber.

Leider komme ich mir immer ein bisschen komisch vor, wenn ich in Restaurants und Cafés meine Kamera zücke. Als ob ich heimlich was Schlimmes vorhätte. Wenn man dann auch noch alleine am Tisch sitzt und es um einen herum auch nicht gerade brechend voll ist, d.h. jedes Klicken von den in ihre Zeitungen und mutmaßlich sehr wichtige Arbeit vertieften Mitanwesenden höchstwahrscheinlich bemerkt werden würde, unterzieht das die Hemmungen einer echten Wachstumskur. Der langen Rede kurzer Sinn: Es gibt nur ein minderqualitatives Handybild vom über die Maßen schmackhaften Gebäck.


Anschließend, wo ich schon mal in der Stadt war, habe ich die Gelegenheit genutzt um in Erfahrung zu bringen, wie ich an meine durch gewieften Einsatz von Rabatten und Internetbestellung in die Filiale um knapp 10€ vergünstigten neuen Schuhe nun eigentlich herankomme. (Darüber, was mich das Austüfteln dieses genialen Sparplans an Zeit gekostet hat, schweige ich an dieser Stelle übrigens lieber.)

Die Schuhkauf-Ersparnis habe ich dann sowieso gleich wieder wettgemacht. Nach wie vor bin ich nämlich nicht fertig eingerichtet - in erster Linie fehlt es an Stauraum. Für den ursprünglichen Preis hätte ich das folgende Stück zwar nie im Leben eines zweiten Blickes gewürdigt, aber bei satten 80% Rabatt war selbst der Einwand, dass mir das Ding eines Tages zu bunt werden könnte, zu vernachlässigen.
Immerhin sind nämlich nun sämtliche Woll- und Garn-Bestände an einem Ort versammelt, was zukünftig dann wenigstens das Suchareal eingrenzt. Außerdem habe ich so wieder ein ganzes Regalbrett für andere Dinge frei. Win-win, wobei in beiden Fällen ich der Sieger bin. (Und das reimt sich auch noch.)

Gar nicht gut tat dieser Kauf hingegen der Anzahl meiner 12von12-Bilder, denn leider hatte ich den gesamten Rückweg beide Hände voll.

An eben dieser Stelle hätte nun, wenn es schon insgesamt keine 12 Bilder geworden sind, darum zur Abrundung wenigstens noch ein Bild meines Abendessens stehen sollen. Weil mich dann aber mein Mitbewohner, während ich in der Küche ganz arglos meine Schupfnudeln briet, in ein mehr oder weniger tiefgründiges, vor allem aber langwieriges Gespräch über die Tudors, Macht und Religion, Fundamentalismus und Fanatismus, Freiheit und Verantwortung, menschliches Miteinander und Nord-Korea verwickelt hat, bin ich irgendwie drüber hinweg gekommen. Nächstes Mal dann.

Das Heute anderer Leute gibt's hier gesammelt. Habt alle einen schönen Sonntag!

Naomi

2 Kommentare:

grenzgebiete hat gesagt…

Du schreibst über interessante Themen, wie z.B. das ehemalige KZ Ravensbrück. Das finde ich schon außergewöhnlich, weil ich darüber und über andere Themen aus der jüngeren Geschichte Deutschlands bisher noch nie in einem blog gelesen habe. Außergewöhnlich gut, daß dieses Thema in deinem blog Platz hat!
Namibia? Warum sind deine Sachen in einem Container dorthin? Wanderst du aus?
Ich hab dich mal gespeichert, bin gespannt, wie es weitergeht bei dir!
Noch einen schönen Sonntag!
LG, Ulrike

Polyxena1981 hat gesagt…

Toller Post, danke dafür

Liebste Grüße zu dir :-)

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